Weihnachten und ich, immer schon eine Hassliebe. Unser Wohnzimmer sah immer aus, als wäre eine Weihnachtsdekofabrik in unserem Wohnzimmer explodiert. Viel ist gar kein Ausdruck. Dazu Weihnachtsmusik ab dem 1. Advent. So dass man spätestens an Heiligabend das gesamte Repertoire nicht mehr hören konnte.
Beim Dekorieren sollte ich immer helfen, es wurde aber immer alles nochmal nachjustiert. Es war nie gut genug, alles was ich half, musste immer nachgebessert werden. Auch wenn es danach im Prinzip ganz genau so hing oder lag wie vorher, Hauptsache sie hat es nochmals korrigiert.
Dann abends Weihnachtsfeier bei den Stiefgroßeltern, mit Essen (Karpfen polnisch), Singen am Weihnachtsbaum, danach Geschenke. Extrem feierliche Stimmung und extrem viele Liebensbekundungen, alles davon fühlte sich falsch und aufgesetzt an. Fühlte sich an wie viel zu süße Bonbonmasse, die alles verklebt. Danach noch gemütliches Beisammensitzen mit Gesprächen und Alkohol, je fortgeschrittener die Stunde, desto höher der Alkoholpegel, umso heftiger und hitziger die Diskussionen über Gott und die Welt. Das Ende vom Lied, wie jedes Jahr Streit, lautstark, überhastete Abfahrt, manchmal auch ohne meine Stiefmutter und mich.
Zu Hause ging es dann noch stundenlang weiter, Gebrülle, Gefluche, Handgreiflichkeiten. Ich in meinem Zimmer am Heulen. Jedes Jahr. Oh du Fröhliche. Jedes Jahr.
Dieses Jahr habe ich beschlossen, nicht zu versuchen, mich zu Weihnachten zu zwingen, nicht nach der fehlenden Stimmung zu suchen. Mich nicht dafür auf mich loszugehen, weil ich das halt irgendwie nicht kann.
Erst große Erleichterung, weil da plötzlich kein Druck mehr war. Danach dann einfach nur ein Loch, tief und schwarz... All die aufgestauten Gefühle wollen jetzt endlich raus, gefühlt werden und gehen. Anstrengend und immer noch nicht fröhlich und schon gar nicht selig diese Heilige Nacht.
Bild: karishea