Die erste Woche lief sehr gut. Die Kollegen hatten sich riesig gefreut. Sie hatten mich schon erwartet. Sie freuten sich, dass ich nun endlich hier bin. Und dass ich genommen wurde. Ich bin aber auch erst einmal weiter mitgelaufen. Die Bewohner müssen sich ja auch erst einmal an mich gewöhnen und Vertrauen zu mir fassen. Einige haben mich vom Praktikum wiedererkannt und sich gefreut, dass ich nun fest im Team bin.
Irgendwann werde ich auch alleine zurechtkommen, denn es wird sich alles einspielen. Die Bewohner sind halt doch spezieller als in einer Senioreneinrichtung. Deswegen muss ich hier etwas langsamer an die Sache herangehen.
Bei den Betreuungsangeboten arbeite ich bereits mit und unterstütze die Bewohner, wo sie Hilfe benötigen, wobei ich sie auch ermutige, weiterzumachen. So war es bei den Kreativangeboten. Beim Musikangebot habe ich mit den Bewohnern getanzt. Ich habe mir die rausgefischt, die nicht mobil sind, und habe mit ihnen getanzt. Bei diesem Angebot darf sich jeder ein Lied wünschen, das dann gespielt wird. Wer mag, darf auch tanzen. Die Titel reichten von Heintje bis Evernescence. Das Angebot ist eines der beliebtesten.
Wir hatten auch ein Angebot zur jahreszeitlichen Gestaltung. Dabei konnten sich die kognitiv stärkeren Bewohner eine herbstliche Dekoration basteln. Die Einzelteile mussten ausgeschnitten (die Schablonen wurden von einer Kollegin bereits vorbereitet) und zusammengeklebt werden. Zum Schluss wurden die Äpfel mit Blatt und Stil noch mit einem Faden verbunden. Die kognitiv schwächeren Bewohner haben währenddessen ihre ausgesuchten Bilder ausgemalt.
Was auch immer sehr gut ankommt, sind die Spielrunden. Diesmal hatten wir eine große Gruppe, also viel Spaß garantiert. Wir haben Kniffel gespielt, aus der großen Gruppe haben wir dann vier kleine gemacht. Nach dem Kaffee ging es mit Bingo weiter. Dabei habe ich einem Bewohner, der an einer starken Sehbehinderung und einer kognitiven Einschränkung litt, Unterstützung geboten. Ich habe ihm die Plättchen bereitgelegt, seine Hand geführt und er hat sie dann selbstständig abgelegt. Es ist so schön zu sehen, wie viel ein Mensch, der stark eingeschränkt ist, noch kann. Und wie viel Spaß er an den Aktivitäten hat.
Nach einer Woche kann ich sagen, dass es sich angefühlt hat wie ein Nach- oder Ankommen. Dieser Beruf fühlt sich nicht wie Arbeit an, sondern gibt mir ein Gefühl der Erfüllung, das meine Ausbildung nie erreichen konnte.
Ich bin froh, dass ich nicht so unter Druck gesetzt werde, alles perfekt machen zu müssen. Meine Vorgesetzte sagte, es brauche seine Zeit, und die sollten wir uns auch nehmen. Denn es gibt nicht den einen Weg, sondern jeder hat seine eigene Herangehensweise, die für die jeweiligen Bewohner passt. Und diesen eigenen Weg muss man herausfinden.
Tja und es kam wie es kommen musste, viele sind krank und ich habe nun ja viel Kontakt mit den Bewohnern so das ich eine dicke Erkältung mit nach Hause gebracht habe, die ich letzte Woche dann erst einmal auskurieren musste. Die Erkältung ist fast weg, nur der Husten hält sich hartnäckig. Aber das kenne ich schon, ist bei mir ja immer so.
Natürlich hatte ich Angst mich gleich in Woche 2 krank zu melden. Aber ich stieß auch hier auf Verständnis und Wohlwollen, so ganz anders als ich das von meinen anderen Arbeitsplätzen gewohnt war. Da herrschte immer Angst man fliegt raus, wenn man auch nur einen Tag zu lange krank ist...
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