Nur noch bis Ende April und ich habe die Probezeit bestanden. Was sich grundlegend unterscheidet zu all meinen anderen Jobs bisher, die vielen Einarbeitungsgespräche, nach 14 Tagen, 6 Wochen, 3 Monaten und dann das letzte eine Woche vor Ende der Probezeit. Gab es so nie…
Es wurde gefragt, ob ich mich noch wohlfühlen würde, ob es irgendwelche Probleme gäbe mit Kollegen oder Bewohnern. Ob es psychische Belastungen gäbe, ich mich gut eingearbeitet fühle, ob etwas fehlt, etwas anders gemacht werden sollte.
Um ehrlich zu sein, niemals wurde nach meinem Befinden gefragt, oder ob ich mir bei der Einarbeitung etwas anderes wünschen würde, oder ob mir etwas fehlen würde um mich gut eingearbeitet zu fühlen…
Nie habe ich mich so wertgeschätzt gefühlt, gesehen gefühlt wie dort. Es gab mir viel Zuversicht, das was ich da mache, richtig ist und ich das auch gut mache. Vor allem letzteres gab es nie. Nach dem. Motto: „Nicht geschimpft, ist schon genug gelobt!“ Das ist hier ganz anders.
Zum ersten Mal habe ich das Gefühl das mir meine Empathie nicht im Weg steht, sondern meine geheime Superpower ist. Gleich von Anfang an fühlte sich alles richtig an. Ich konnte mich gut auf die Bewohner einstellen und erfassen was benötigt wird. Gerade bei den Bewohnern die sich eben nicht verbal verständlich machen können.
Gelernt habe ich bisher auch schon viel, Dinge wie man aufpassen muss um nicht gegen die Kollegen ausgespielt zu werden. Die Bewohner haben dort ihre Ressourcen, ähnlich wie Kinder die probieren ob sie bei Papa damit durchkommen, was bei Mama ein Nein war. Das ist nicht mal böse, oder hinterlistig. Sie sind mental oft wie Kinder. Sie versuchen es. Inzwischen erkenne ich dies aber schon oft sehr gut.
Die Kollegen sind auch alles sehr hilfsbereit und nett, was nicht bedeutet das alles pure Gold ist. Klar gibt es auch dort Animositäten untereinander und Vorlieben, aber es wird erwachsen damit umgegangen. Kein hintenherum, sondern man arbeitet professionell miteinander, und versucht das Arbeitsumfeld für alle entspannt und positiv zu halten.
Auch das Aufgabengebiet ist einfach großartig. Ich muss als Betreuungskraft nur das tun, was meine Aufgabe ist. Keine Pflege, kein Essenanreichen (was ich auch gar nicht darf!), kein Tischdecken, oder abdecken. Letzteres nur im Notfall, wenn es auf Grund von Krankheit zu Engpässen kommt, dann füllen wir die Teller auf und verteilen diese, decken noch mit auf. Abdecken machen die Bewohner überwiegend selbst, die die es nicht können, wird es von der Pflege übernommen.
Unsere Angebote umfassen zum Beispiel Bücherkreis, hier suchen sich die Bewohner ein Buch aus das sie gemeinsam lesen und besprechen möchten. Mit gemeinsam lesen ist genau das gemeint, jeder liest einen Teil des Buches vor.
Dann haben wir noch die Gesprächsgruppe, hier werden von den Bewohnern gewünschte Themen recherchiert und mit Materialien wie Bücher, Filme, Audiobeiträge und manchmal auch mit Personen die das Thema genauer erklären können (wenn wir jemanden finden, der das ehrenamtlich machen möchte), das ganze muss natürlich so aufgearbeitet werden, das es leicht verständlich ist, da unsere Bewohner ja nicht Germanistik Stundenten sind. ;) Was ich hier nicht despektierlich meine, sondern einfach aus dem Grund, unsere Bewohner sind zwar aus allen Schichten, aber eben nicht ohne Grund in unserer Einrichtung.
Es gibt eine Bewegungsgruppe, der Name gibt schon vor was dort passiert, es werden Übungen gemacht, an denen alle teilnehmen können, egal ob Rollstuhl, Rollator oder noch gut zu Fuß. Das ganze wird mit Spaß und Musik gemacht, so fühlt es sich auch nicht nach nerviger Anstrengung an und alle machen sehr gerne mit.
Mittwochs haben wir Musikgruppe, da darf sich jeder sein Lied wünschen und egal welches Genre und niemand motzt, auch wenn es nicht dem eigenen Geschmack entspricht. Es wird getanzt, jeder nach seinen Möglichkeiten. Und alle haben Spaß. Allerdings sind manche Wünsche etwas herausfordernd für mich, Roy Black mit „Ganz in Weiß“ ist so ein Lied, oder Andra Berg „Du hast mich 1000x belogen“ für mich ganz schlimm. Da es aber um die Bewohner geht, leide ich leise und hoffe ich habe nicht die Untertitel im Gesicht stehen. ;)
Creativ darf natürlich nicht fehlen. Es gibt eine Gruppe für die kognitiv schwächeren, in denen sie Bilder ausmalen können, oder mit Wasserfarben malen, nach ihren Vorlieben und Fähigkeiten. In den Gruppen der Stärkeren wird auch gebastelt, zum Beispiel für die Motto Disco wie „Tanz in den Mai“, zu den Jahreszeiten entsprechend, die Osterkörbchen für den gesamten Wohnbereich und so weiter, dank Pinterest ist der Fantasie ja kaum eine Grenze gesetzt. Und alle sind mit Feuereifer dabei! Und es ist so schön, wie sehr sich die Bewohner über ihre fertiggestellten Kunstwerke. Klar müssen wir hier und da auch entsprechend unterstützen, aber genau das ist Teil meines Jobs und es macht riesig Spaß!
Und last but not least, sind da noch die Spielegruppe und Film. Ersteres ist auch selbsterklärend, wir spielen Bingo, Kniffel oder Mensch ärgere Dich nicht, Uno, Skibo und was immer sonst noch gewünscht wird. Film, die Bewohner suchen sich einen Film aus (wir haben eine ansehnliche DVD-Bibliothek, und der wird dann angeschaut. Am Wochenende gerne auch in der Aula, das ist dann ein bisschen Kino-Feeling.
Zwei neue Gruppen haben wir auf unseren Wohngruppe seit kurzem, da ist die Feinmotorik-Gruppe, die auch auf die schwächeren abzielt, damit ihre Hand-Augenkoordination erhalten bleibt, auch hier wieder spielerisch. Dafür gibt es einige Holzlegespiele, Steckspiele, oder Schrauben die auf ein Brett gedreht werden können.
Wir haben auch eine „Wellness“ Gruppe, dort gibt es ein Handbad, Handmassage (Eincremen der Hände), Entspannungsmusik und Massagekäfer, bzw. Massagepistole. Diese kommt auch richtig gut an. Einer der Bewohner der kein großer Fan von Körperkontakt ist, genießt die Ruhe und die Massege mit dem Käfer. Das ist sehr sanft und eine sensorischer Impuls. Hier ist natürlich wichtig auf die kleinen Zeichen zu achten, wenn es dem Bewohner zu viel wird, damit es nicht von Entspannung zur Verkrampfung umschlägt. Und da kommt mir eben meine Empathie und dieses lesen der Menschen extrem entgegen. Letzte Woche ist mir der oben beschriebene Bewohner eingeschlafen. :) Entspannter geht nicht.
Ach ja, die Entspannungsgruppe habe ich vergessen. Hiervon haben wir zwei. Die für die stärkeren mit Progressiver Muskelentspannung (das macht eine Kollegin die Ergotherapeutin ist) und eine Gruppe für die schwächeren, wo wir einfach eine Traumreise für Kinder lesen, oder einfachere Traumreisegeschichten. Für beide wird ein Snoozelen wagen* verwendet.
*Snoozelenwagen: (auch Sinneswagen oder Snoezelmobil genannt) ist eine mobile Station zur multisensorischen Stimulation. Er bringt das therapeutische Konzept des "Snoezelens" – eine Kombination aus den niederländischen Wörtern snuffelen(schnüffeln) und doezelen (dösen) – direkt zu Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. - gerne mal Googlen für Bilder und genauere Beschreibung. Wir nutzen allerdings nicht die Olfaktorische Funktion, da dieses bei unseren Bewohnern im schlechtesten Fall größere Probleme auslösen könnte. Aber die Licht- und Soundfunktion reicht perfekt aus um die gewünschte Entspannung zu erzielen.
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